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Apr

Wer in einer Personalabteilung arbeitet und Bewerbungen sichtet, kennt diese Herausforderung: Auf eine interessante Stelle gehen schnell einmal hunderte Bewerbungen ein, die gescreent, beurteilt, ggf. weitergeleitet und administriert werden müssen. In Zeiten höchster Auslastung kann es vorkommen, dass eine Bewerbung ein paar Wochen unbeantwortet bleibt. Das ist nachvollziehbar, aber auch Gift für das Employer Branding eines Unternehmens …

Bewerber wundern sich

In meiner Coachingpraxis höre ich oft von „meinen“ Kundinnen und Kunden, die im Rahmen eines Jobcoachings zu mir kommen, dass sie verunsichert und auch frustriert sind. Trotz sehr guter Qualifikation bekommen sie eher selten von Unternehmen eine Reaktion auf ihre Bewerbung. Weit über die Hälfte meiner KundInnen gibt an, weder eine Eingangsbestätigung noch eine Absage erhalten zu haben. Bei Papierbewerbungen bekommen viele auch ihre Bewerbungsmappen nicht zurück. Das sollte doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein.

Die Stille am anderen Ende verunsichert

Wenn ich „meine Kunden“ frage, was sie hindert, beim betroffenen Unternehmen anzurufen, wird klar, wie tief die Verunsicherung sitzt: Viele trauen sich nicht, sich über den Stand des Bewerbungsverfahrens zu informieren oder zu fragen, ob die Bewerbungsunterlagen eingegangen sind. Die Gründe dafür sind vielfältig:

  • Manche haben Sorge zu viel „Druck“ auf den Arbeitgeber auszuüben
  • Man möchte nicht „stören“ und damit eine Absage riskieren
  • Einige wissen nicht, ob „man“ das überhaupt darf
  • Bei anderen herrscht falscher Stolz, man habe es nicht nötig nachzuhaken, schließlich habe man sich ja beworben, jetzt sei der Arbeitgeber am Zug

Die Gründe, als Bewerber nach Versand der Unterlagen passiv zu bleiben, sind vielfältig. Um die Motivation aufzudecken, stelle ich die Frage „Wie wichtig ist Ihnen dieser Job? Wie sehr möchten Sie für dieses Unternehmen arbeiten?“

Mein Tipp für Bewerber, die auf eine Antwort vom Wunscharbeitgeber warten

Wenn es jemanden sehr wichtig ist, ist meine Empfehlung, nach drei Wochen gern einmal nachzufragen, ob die Bewerbung eingegangen sei oder wie der Stand des Auswahlverfahrens ist, um Klarheit für sich zu erhalten.

Aber Recruiting ist keine Einbahnstraße. Wenn ein Unternehmen sich schon zu Beginn potenziellen neuen Mitarbeitern gegenüber so verhält, fragen sich „right potentials“ und ambitionierte Talente schnell, wie es erst wird, wenn man an Bord gegangen ist.

Wie können Unternehmen negativen Erfahrungen vorgreifen?

Ich empfehle Unternehmen, den Recruiting-Prozess bewerberfreundlich zu gestalten. Die Frage, die sich Bewerber stellen, lautet: „Möchte ich wirklich für ein Unternehmen arbeiten, dass schon von Beginn an wenig bis gar nicht wertschätzend mit meiner Bewerbung umgeht?“

Somit hat jedes Reagieren oder Nichtreagieren seitens des Unternehmens eine Außenwirkung, die sich im Guten wie im Schlechten auf die Unternehmensmarke auswirken kann. Oder um es mit Paul Watzlawicks – hier zweckentfremdet und doch passend – erster Grundregel menschlicher Kommunikation zu sagen: „Man kann nicht nicht kommunizieren.“

HR-Entscheidern im Unternehmen rate ich zu bedenken, dass jeder Bewerber auch eines Tages ein direkter oder indirekter Kunde werden kann. Die negative virale Verbreitung von Erfahrungen im Bewerbungsprozess sollte nicht unterschätzt werden. Das Arbeitgeberbewertungsportal kununu.com ist mittlerweile dafür bekannt, sich fernab von glanzvollen Broschüren über Unternehmen zu informerien. Die dort einzusehenden Kommentare können viel über den Bewerbungsprozess und den Umgang mit Bewerbern aussagen. Anhand der Feedbacks und authentischer Bewertungen lässt sich der Prozess betrachten, verbessern und optimieren.

Bei dieser strategischen Prozessoptimierung unterstütze ich Ihr Unternehmen gern in der Beratung oder im Interim Management!

 

Kurz und Knapp

 

Tipps für Bewerber:

Trauen Sie sich nachzuhaken! Mit den neu gewonnenen Informationen können Sie sich immer noch für oder gegen das Unternehmen entscheiden. Sie sind der Passivität des Unternehmens nicht ausgeliefert.

 

Meine Empfehlung an Unternehmen:

Gehen Sie mit allen Bewerbern wertschätzend um und sensibilisieren Sie Ihre Prozesse und Ihr Team dafür, welche Wirkungen und Auswirkungen es haben kann, wie und wenn auf eine Bewerbung (nicht) reagiert wird. Was tun, wenn keine Ressourcen da sind? Optimieren Sie den Prozess systematisch.

Ich unterstütze Sie gern!